Horrorwaty - DER TRAILER

DSDS: Warnschuss vom Protestwähler

Sonntag, 12. April2009 | Von Christoph Holowaty | Rubrik: Backstage
Christoph Holowaty mit Lieblingsspielzeug

Geben wir´s zu, Dieter Bohlen hat sich gestern Abend bei Deutschland sucht den Superstar wenigstens bemüht, seine Kritik halbwegs sachlich zu halten. Zumindest im Bohlen´schen Duktus: Abgesehen von einigen Aussetzern gegenüber Dominik Büchele („Valium-Show“, „Da implodieren meine Ostereier“) und gegenüber Annemarie Eilfeld („Abfuckprämie“) blieb das Beschimpfungslevel des DSDS-Jurors ausnahmsweise mal weitgehend außerhalb der Gossensprache. Ob für den Laien der Gesang der Kandidaten nun erkennbar schlechter oder besser war als bei der vorherigen Show, sei mal dahingestellt.

Blöd nur, dass die Zielgruppe zurück zickt. Der Jury scheint es langsam zu dämmern, dass die Kandidatenbeschimpfung ein Niveau erreicht hat, das die Stimmung unter den Zuschauern umschlagen lässt.  Die Erniedrigung der Delinquenten, die zur öffentlichen Hinrichtung an den vorderen Bühnenrand treten müssen, schien in den bisherigen Sendungen mit dem morbiden Charme eines Splatterfilms noch einen gewissen Unterhaltungswert zu bieten. 

Verständlich, denn Häme und Missgunst hat der Zuschauer innerhalb von sechs DSDS-Staffeln ja bereits gelernt. Debil dreinblickende Gesichtsgärtner und orientierungslose Taugenichtse, die ihr Leben vermutlich bereits vor ihrer öffentlichen Zurschaustellung verpfuscht haben, verhöhnt der Zuschauer mit einer scheinbaren Berechtigung. Früher befriedigten Wanderzirkusse mit der Vorführung von Missgebildeten die Sensationsgier des Pöbels, heute übernehmen längst Fernsehsender diese Art der Schaustellerei. Dass aber
genau
den Kandidaten,
die zunächst wortreich
in die
Mottoshows gelobt wurden, nun
mit rüden Kraftausdrücken vollkommene
Talentfreiheit bescheinigt wird, dürfte auch dem tumbsten TV-Junkie aufstoßen.
Dass aber genau den Kandidaten, die zunächst wortreich in die Mottoshows gelobt wurden, nun mit rüden Kraftausdrücken vollkommene Talentfreiheit bescheinigt wird, dürfte auch dem tumbsten TV-Junkie aufstoßen.

Just in dem Moment beweist die BILD ihr fast schon unheimliches Gespür für die aufkeimende Volksempörung. Statt Annemarie-Fans, Benny-Verehrer oder Sarah-Jünger bedient die Zeitung eine bei weitem vielversprechendere Zielgruppe: Die Protestwähler. Derer scheint es inzwischen reichlich zu geben, denn nicht nur die von Dieter Bohlen rüde beschimpfte Annemarie Eilfeld kam wohl auch durch die offene Unterstützung durch BILD locker weiter. Vielmehr gehörte Bohlen-Liebling Daniel Schumacher überraschenderweise zu den vier Wackelkandidaten, die die wenigsten Stimmen bekamen und sich am Ende der Show zum Empfang des Zuschauerurteils nach vorne stellen mussten. Bohlens verkniffener Gesichtsausdruck dabei war ein entscheidendes Highlight der Sendung.

Gehen musste mit Vanessa Neigert die harmloseste, und vermutlich am wenigsten zielgruppenaffine Kandidatin. Der von RTL erfundenen „werberelevanten Zielgruppe“ von 14 bis 49 Jahren, derer Erreichung sich Dieter Bohlen im Vergleich mit der insgesamt weit beliebteren Sendung  Wetten, dass..? gerne öffentlich brüstet, gefällt eben kein Schlager. Da hilft inzwischen auch keine Lobhudelei des Groß-Inquisitors mehr.

Es bleibt mithin die Frage, wie RTL in den nächsten Sendungen die Spannung schüren will. Die bisherige, immer durchsichtiger werdende Strategie, mit Kandidaten per Einspieler zwischen Bloßstellung und Propaganda zu jonglieren, scheint nicht mehr aufzugehen. Noch vor der gestrigen Sendung versorgte RTL die Presse mit Fotos und Material über einen Besuch eines Kinderkrankenhauses von Benny Kieckhäben und Daniel Schumacher. Über andere Kandidaten gab es von offizieller Seite kein Aktivitätsprotokoll.

Der Handlungsablauf des bislang sorgfältig vorberechneten Casting-Dramas droht den Machern zu entgleiten. Annemarie Eilfeld beispielsweise, die in der letzten Show schon bei der Anmoderation durch Moderator Marco Schreyl einmal mehr verunglimpft wurde, befindet sich längst als BILD-Oster-Bunny auf eigenem Werbefeldzug.

Währenddessen ist es für RTL relativ egal, dass das öffentliche Gecaste ohnehin keine langfristigen Gesangskarrieren zeitigt. „Bei Deutschland sucht den Superstar versuchen wir in erster Linie, eine unterhaltsame Fernsehsendung zu machen“, sagte mir Ex-Juror Heinz Henn bereits vor Jahren in einem Interview. „Da ist für jeden etwas dabei. Wer will, kann sich über einige Bewerber kaputtlachen, aber wir haben auch Kandidaten mit guten Stimmen. Es geht also nicht vordergründig darum, Platten zu verkaufen, das ist eher ein Hilfsmittel.“

Gefährlich unberechenbar sind für RTL eher die Protestwähler. Die könnten nämlich irgendwann nicht nur einen von der Jury ungeliebten Kandidaten wählen, nur um Pöbel-Bohlen eins auszuwischen. Sie könnten sogar irgendwann ein anderes Programm wählen…

Christoph Holowaty

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Ein Kommentar
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  1. über was wird hier eigentlich geschrieben, keine Ahnung um was es hier überhaupt geht.
    die ganzen Namen sagen mir nichts.

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