Horrorwaty - DER TRAILER

Ross Antony bei Unter uns: “Ich dachte, ich könnte keinen Bösewicht spielen”

Samstag, 9. Mai2009 | Von Christoph Holowaty | Rubrik: Backstage

Ross Antony kann mehr, als nur im Dschungelcamp zu überleben. Der Brite, in Deutschland als Bandmitglied von Bro´Sis bekannt geworden, ist Musiker, Moderator, Schauspieler, Musical-Darsteller – und am 13. und 14. Mai bei RTL erstmals in einer Gastrolle bei Unter uns zu sehen. Die

Heckt finstere Pläne aus: Ross Antony am Set von Unter uns. Foto: Christoph Holowaty

Heckt finstere Pläne aus: Ross Antony am Set von Unter uns. Foto: Christoph Holowaty

Überraschung: Der Sympathieträger, der noch im australischen Dschungel Ekel-Desserts und giftige Campbewohner mit Charme und Witz ertrug, spielt einen durchtrieben Bösewicht…

Horrorwaty.de: Eigentlich bist du ja viel zu nett, um einen Bösewicht zu spielen. Wusstest Du von Anfang an, dass deine Rolle als Taylor Duff bei Unter uns eigentlich ziemlich durchtrieben und finster ist?

Ross Antony: Nein, ich wurde von Unter uns angefragt und habe mich sehr gefreut, weil ich Soaps liebe und auch in England sehr viele Serien sehe. Erst ein paar Tage später hat man mir eröffnet, dass ich einen bösen Fotografen spielen soll. Spontan dachte ich, dass ich das gar nicht kann – einfach weil ich kein böser Mensch bin. Aber das Gute ist ja, dass ich eine dreieinhalbjährige Schauspielausbildung habe und schon wandlungsfähig bin. Man hat mich also nicht einfach von der Straße genommen. Was dazu kommt: Meine Rolle als Tyler Duff ist nicht einfach nur böse. Er wirkt erst schleimig und nett, ist aber auch hinterhältig. Er hat immer einen Grund für das, was er tut. Er ist also nicht ganz offensichtlich böse, aber eben niederträchtig in seiner Art, wie er mit den Leuten umgeht.

Horrorwaty.de: Oft sind die Gegenspieler in Filmen berühmter als die Helden selbst, wenn man etwa an einen Joker denkt. Was macht denn die Faszination von Bösewichtern aus?

Ross Antony: Ich glaube, Bösewichter in Filmen und Serien machen genau das, was die Leute im echten Leben oft ausleben möchten, aber nicht dürfen. Wir kennen das doch alle: Das was man nicht tun darf, ist ja oft das Interessanteste.

Horrorwaty.de: Wer sind Deine Lieblings-Fieslinge?

Ross Antony:
Als echter Horror-Freak liebe ich Figuren wie Freddy Krüger, Jason oder auch die rachsüchtige Braut in Kill Bill. Natürlich mag ich auch klassische Gegenspieler wie den Joker oder Penguin. Aber mich faszinieren auch durchtriebene Charaktere wie etwa Edie Britt in Desperate Housewives. Selbst in Shows gibt es Leute, die polarisieren – schauen wir uns einfach Annemarie bei DSDS an (lacht). Solche Charaktere gehören für mich in Filmen und Serien einfach dazu. Ohne eine Bedrohung könnte sich ja ein Held gar nicht heldenhaft verhalten.

Horrorwaty.de: Für dich ist ja mit deiner Rolle in Unter uns auch deswegen ein großer Traum in Erfüllung gegangen, weil du ein absoluter Serien-Junkie bist. Wie schaffst du es bei deinem engen Terminplan, an den Episoden dranzubleiben?

Ross Antony: Ich bin viel unterwegs und ich kaufe mir oft die amerikanischen DVD-Boxen mit Serien, die in Deutschland oft noch gar nicht gesendet werden. Mein Problem ist: Wenn ich mit einer Serie anfange, dann kann ich nicht mehr aufhören. Meine Favoriten sind im Moment The Listener und The Mentalist. Aber das Schlimmste ist 24 bei mir. Wenn ich damit erstmal anfange, muss ich wirklich 24 Stunden am Stück diese Serie anschauen. Gerade bei dieser Serie hängt man total in der Luft, wenn eine Folge zu Ende ist. Aber ich sehe derzeit mindestens zehn verschiedene Serien, habe auch Grey´s Anatomy, Lost, Supernatural, Heroes oder Harper´s Island am Start. Meistens trinke ich dazu schwarzen Tee mit Milch und esse Chips dabei, nur Schokolade nicht mehr, weil ich zu sehr zunehme. Ich schaue dann immer ein oder zwei Folgen, bevor ich einschlafe. Dann träume ich die Folge weiter. Neulich saß ich bei Lost in dem abgestürzten Flugzeug und der dicke Hurly hat mich gerettet. Wenn ich aufwache, könnte ich das Drehbuch glatt weiterschreiben mit der Handlung, die ich weitergeträumt habe.

Horrorwaty.de: Trotzdem ist es ja nicht leicht, sich so komplett für eine Rolle zu verwandeln. Was ist der größte Fehler, den ein junger Schauspieler machen kann?

Ross Antony: In der Schauspielschule hat man uns immer gesagt, wir müssen uns als Person treu bleiben und uns nicht zu weit von unserem eigentlichen Charakter entfernen. Die Gefahr ist sonst zu groß, dass die Darstellung zu unglaubwürdig wird. Ich bin froh, dass ich es so gelernt habe.

Horrorwaty.de: Nun gilt ja gerade eine Serie quasi als schauspielerische Fließbandarbeit. Wie kann man so etwas überhaupt noch im Zeitdruck einer Serienproduktion berücksichtigen?

Ross Antony: Man muss als Schauspieler sehr viel Geduld haben. Gerade deswegen habe ich so einen Respekt vor den Schauspielern bei Unter uns. Ich habe vorher gedacht, mein eigenes Leben ist rasant, weil ich immer von einem Termin zum nächsten hetze und so viel zu tun habe. Aber Schauspieler in einer Serie zu sein, ist ein unglaublich harter Job. Die arbeiten fünf Tage in der Woche und haben manchmal nach Drehschluss nicht etwa frei, sondern müssen dann anfangen, den Text für den nächsten Tag zu lernen. Das kann bis spät in die Nacht gehen. Es ist krass – ich glaube, über einen längeren Zeitraum würde ich das nie hinkriegen.

Horrorwaty.de: Verliefen die Dreharbeiten trotz des ganzen Drucks, der ja auch auf dir lastete, reibungslos?

Ross Antony: Gerade, weil ich so einen Respekt vor den Leuten habe, hatte ich mich so gut wie möglich vorbereitet. Es ist so gut gelaufen; so dass hinterher selbst der Kameramann gesagt hat, ich hätte das richtig gut gemacht. Da habe ich mich fast geschämt. Ich wurde jetzt sogar schon angefragt für eine andere, längere Rolle. Die haben natürlich vorher Rücksprache gehalten mit den Leuten von Unter uns, und ich wurde empfohlen.

Horrorwaty.de: Werden Serien-Darsteller aus deiner Sicht unterschätzt?

Ross Antony: Auf jeden Fall. Viele glauben, das ist ein leichter Job und es sind Leute, die gar nicht richtig schauspielern können. Aber man muss immer bedenken, dass fast alle großen Stars in einer Serie angefangen haben. Til Schweiger war zum Beispiel in der Lindenstrasse, auch Leute wie George Clooney, Brad Pitt oder Angelina Jolie waren alle als Kinderstars unterwegs. Das zeigt ja schon, was für eine harte Schule eine Daily Soap ist und wie wertvoll sie für die Schauspielerei ist.

Horrorwaty.de: Gibt es einen Schauspieler, von dem du dir den einen oder anderen Trick abschauen konntest?

Ross Antony:
Ich bin dankbar, dass ich den Film House of Boys mit Udo Kier vorher gemacht habe. Es war faszinierend, ihn am Set zu beobachten. Das Geheimnis ist, dass ein Schauspieler sich vor der Kamera nicht vernünftig bewegen kann, ohne innerlich zu arbeiten. Udo Kier hatte viele Passagen, in denen er gar keinen Text hatte, aber jeder konnte in seinen Augen sehen, was er denkt. Ich war fast am Weinen, weil er so überzeugend schauspielern kann. Wenn jemand nichts sagt, aber ganze Atmosphäre und sein ganzes Gefühlsleben herüberbringen kann, dann ist er für mich wirklich ein toller Schauspieler.

Horrorwaty.de: Bist du im Nachhinein zufrieden mit Deiner Darstellung des Taylor Duff in den beiden Episoden von Unter uns?

Ross Antony: Ich habe die Folgen noch nicht gesehen, aber ich werde es bestimmt wieder hassen. Ich hasse es nämlich, mich selber im Fernsehen zu sehen. Ich bin extrem kritisch mit mir selbst. Ich denke dann oft, mein Deutsch ist gerade super-schlecht, oder ich habe einen Pickel im Gesicht oder ich zeige nie meine Schokoladenseite. Ich höre auch sehr drauf, was die Fans sagen. Ich habe jetzt eine gute Gruppe Fans, und die sagen ganz offen, was ihnen gefällt und was nicht. Da kommt es schon vor, dass ich manchmal entsetzt bin oder ein bisschen traurig. Auch nach so vielen Jahren in dem Geschäft geht mir das immer noch nahe. Aber natürlich weiß ich auch, dass ich nur wegen meiner Fans immer noch gut im Geschäft bin.

Horrorwaty.de: Wenn du so genau auf die Fans hörst, wie sehr fürchtest du dich überhaupt vor Negativschlagzeilen und der öffentlichen Meinung?

Ross Antony:
Das würde mich schon mitnehmen. Zum Beispiel die Diskussion um Verona Pooth und ihren Mann – die arme Frau geht jetzt gerade durch die Hölle. Das ist so schade, weil sie durch die Medien in Probleme mit hineingezogen wird, obwohl sie gar nichts damit zu tun hat. Klar, sie ist mit ihrem Mann verheiratet, aber es ist seine Firma die pleite gegangen ist. Aber trotzdem wird ihr Ruf geschädigt.

Horrorwaty.de: Vielen Dank für das Gespräch!

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