Horrorwaty - DER TRAILER

Hermann Joha: „Jede Beule tut mir richtig weh”

Dienstag, 10. März2009 | Von Christoph Holowaty | Rubrik: Backstage

Autos verschrotten ist sein Leben: Im Interview spricht Hermann Joha, Stuntman und Produzent der RTL-Serie „Alarm für Cobra 11″ (neue Staffel seit 5. März) über Abwrackprämien und Lust und Frust am Auto-Zerdeppern.

Ist die Abwrackprämie eine gute Idee der Bundesregierung?

Hermann Joha: Eine sehr gute Idee. Je mehr alte Autos eingeschmolzen werden, desto besser ist das für die Umwelt, weil Neuwagen geringere Emissionen haben. Und dann kommt noch der wirtschaftliche Push-Effekt dazu. Bekanntermaßen hat jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland mit der Automobilindustrie zu tun. Meiner, streng genommen, auch.

Wie viele Autos haben Sie in Ihrem Leben zerstört?

Joha: In meiner ganzen Karriere um die 5000. Darunter 1000, bei denen ich selbst am Steuer saß. Ich war erst 17, als ich bei den Actionshows der „Hell Drivers” anfing. Ich besaß nicht mal einen Führerschein, fuhr aber in jeder Show zehn bis 15 Autos zu Schrott..

Hat es Ihnen jemals um ein Auto leid getan?

Joha: Ja, sicherlich. Vor allem in der Anfangszeit. Da habe ich als Stuntman für den „Tatort” Autos zerstört, die ich mir privat nicht ansatzweise leisten konnte. Das sind ja oft Vorserienmodelle, die Hersteller wie BMW oder Mercedes nicht mehr verkaufen können. Die werden dann Produktionsfirmen zur Verfügung gestellt. Damals wie heute.

Ist es aus Ihrer Sicht nicht extrem öde, Autos zugunsten der Abwrackprämie einfach in die Schrottpresse zu schicken? Kann man das Ende eines Autos nicht feierlicher gestalten?

Alarm für Cobra 11: Ben (Tom Beck), Flensmann (Christian Tramitz) und Semir (Erdogan Atalay, v.l.n.r.). Foto: RTL

Alarm für Cobra 11: Ben (Tom Beck), Flensmann (Christian Tramitz) und Semir (Erdogan Atalay, v.l.n.r.). Foto: RTL

Joha: Ich habe meinen Job nie unter dem Vorzeichen der reinen Zerstörungslust gesehen. Die ist eher bei Stefan Raabs „Stock Car Crash Challenge” gegeben. Da schalten die Leute ein, weil sie sehen wollen, wie sich Autos gegenseitig demolieren. Der Bedarf für so etwas ist da. Für mich die Stunts, wie wir sie in unseren Serien zeigen, eher ein Sport. Ich will ausprobieren, was man mit einem Auto alles machen kann. Dabei geht es manchmal zwangsläufig zu Bruch.

Wenn ich Ihnen mein altes Auto für „Alarm für Cobra 11″ schenke: Dürfen Sie mir einen Verschrottungsnachweis ausstellen, mit dem ich die 2500 Euro Abwrackprämie bekomme?

Joha: Ja, die gibt es! Wir haben dazu extra eine Online-Aktion bzw. ein Gewinnspiel ins Leben gerufen, das noch bis zum 2. April läuft: Zuschauer können uns im Internet unter RTL.de ihr altes, natürlich noch fahrtüchtiges Auto anbieten, das wir dann auf spektakuläre Weise in einer “Cobra”-Folge verschrotten. Der Besitzer des Wagens erhält dafür dann von RTL die Abwrackprämie von 2.500 Euro. Unter allen Einsendungen entscheiden Erdogan Atalay und Tom Beck höchstpersönlich, wessen Auto genommen wird.

Chefzerstörer Herrmann Joha. Foto: RTL/Stefan Menne

Chefzerstörer Herrmann Joha. Foto: RTL/Stefan Menne

Profitiert die Einkaufsabteilung davon, dass sich plötzlich so viele Deutsche von ihren alten Autos trennen wollen?

Joha: Wir hatten noch nie Schwierigkeiten, Altfahrzeuge günstig zu bekommen. Das liegt auch daran, dass wir keine allzu hohen Ansprüche haben. Der Wagen kann ruhig 500.000 Kilometer gelaufen sein und einen defekten Motor haben. So lang er noch halbwegs vernünftig aussieht und die letzten paar Meter für die Dreharbeiten schafft, können wir ihn neu lackieren und bei seiner letzten Fahrt als Neuwagen verkaufen. Außerdem bekommen wir ja noch die Vorserienmodelle der Autohersteller. Denn selbst mit einem vergleichsweise guten RTL-Budget könnten wir es uns nicht leisten, in jeder Folge Neuwagen für ein paar hunderttausend Euro kaputtzumachen.

Welche Auflagen machen Ihnen BMW und Mercedes, bevor Sie deren Fahrzeuge in der Serie verwenden dürfen?

Joha: Wir müssen eine Art modernes Märchen erzählen. Wenn ein Auto hundert Meter durch die Luft fliegt, landet es elegant an der Abschrägung eines Brückenwalls. Im Idealfall setzt es sogar auf und fährt weiter. Jeder weiß, dass der Fahrer im wahren Leben tot sein könnte oder im Rollstuhl sitzen würde. Bei uns geht es aber gut aus. Darauf legen die Hersteller wert.

Eine schöne, heile Fernsehwelt?

Joha: Ja, wenn Sie so wollen. Das passt aber auch zur Politik unserer Firma und des Senders RTL, dass der Vater abends um 20.15 Uhr mit seinem 12jährigen Sohn vor dem Fernseher sitzen kann und das anschaut. Jegliche Art von Horrorfilmen, in denen kaputte Typen sich mit Autos jagen und umbringen, wollen wir nicht machen. „Alarm für Cobra 11″ ist ein modernes Märchen. Das, was „Winnetou” vor 30 Jahren war.

Mit anderen Pferdestärken…

Crashkurs: Tom Beck und Erdogan Atalay kriegen die Kurve nicht.

Crashkurs: Tom Beck und Erdogan Atalay kriegen die Kurve nicht.

Joha: Genau. Nur Kriminelle, die richtig böse sind, knallen am Ende auch schon mal mit dem Auto unter einen Lastwagen. So wie Mario Adorf als Bandit Santer von Indianerspeeren durchbohrt wurde, nachdem er Winnetous Schwester Nscho-tschi erschossen hatte.

Was passiert nach den Dreharbeiten mit Ihren Autowracks?

Joha: Die landen auf dem Schrottplatz. Ob wir dafür noch Geld bekommen, entscheidet die Marktlage. Es gab Zeiten, da mussten wir 300 Euro bezahlen, damit sie uns überhaupt abgenommen wurden. Wenn der Stahlpreis steigt und weltweit wieder nach Rohmaterial geschrieen wird, bekommen wir Geld. Gestern habe ich in einem Magazin gesehen, dass die Schrotthändler momentan vier bis fünf mal so viele Autos auf ihren Plätzen haben wie vor wenigen Wochen. Wegen der Abwrackprämie.

Nachdem Sie 5000 Autos auf dem Gewissen haben: Ärgern Sie sich noch, wenn Sie einen Kratzer oder eine Beule in Ihren Privatwagen fahren?

Joha: Und wie! Das sehe ich als megapersönliche Beleidigung an. Jede Beule tut mir richtig weh. Da schreie ich laut „Aua!” So etwas darf nicht passieren.

Welchen Wagen fahren Sie privat?

Joha: Da bin ich breit aufgestellt. Als Porsche-Fan bin ich Jahre lang Porsche Turbo gefahren. Momentan habe ich aber kein eigenes Auto, sondern fahre Leihwagen, die unsere Firma über Verträge mit BWM und Mercedes, manchmal auch mit Audi und VW bekommt. Ich kann als Geschäftsführer nicht mit dem fetten Porsche zur Arbeit kommen, wenn ich von den Mitarbeitern Sparmaßnahmen einfordere.

Welche Sparmaßnahmen sind das?

Joha: Zum Glück mussten wir kaum Leute entlassen. Aber wir haben zum Beispiel den großen Catering-Wagen abgeschafft, der immer auf dem Hof oder am Set stand. Der war zu teuer. Auch die vier Hubschrauber, die wir mal hatten, wurden abgeschafft. Jetzt haben wir nur noch einen gecharterten Hubschrauber für „Alarm für Cobra 11″. Wir sind in allen Bereichen komplett zum Sparen verdonnert.

Will RTL das so?

Joha: Der Fernsehmarkt will das so. In den Jahren 2004 und 2005 hat sich die Serienlandschaft komplett verändert. Damals begann der Siegeszug von US-Serien wie „CSI”, „Dr. House”, „Monk” und „Desperate Housewives”, die im Hauptprogramm der privaten Sender die deutschen Serien verdrängten. „Alarm für Cobra 11″ hat sich als eines der ganz wenigen Formate zur Primetime gehalten. Die Budgets, die RTL, Pro Sieben oder Sat.1 seither für deutsche Serien genehmigen, sind ein Bruchteil der früheren Budgets. Und damit müssen wir gegen Hollywood konkurrieren, wo alles Geld und kreative Potenzial der Erde zu finden ist. Die Wirtschaftskrise, die jetzt noch dazu gekommen ist, setzt dem Sparzwang die Krone auf.

Das Interview führte Michael Scholten.

Über Hermann Joha

Hermann Joha, geboren am 17. Februar 1960 im unterfränkischen Lohr am Main, ist Geschäftsführer der Action Concept Film- und Stuntproduktion GmbH, die seit 1996 die RTL-Serie „Alarm für Cobra 11″ produziert. Im Alter von 17 Jahren schloss sich Joha der britischen Autoartisten-Gruppe „Hell Drivers” an und tourte mit deren Crash-Spektakeln durch Europa. 1982 gründete er die Stuntfirma Driving Unit, die für Fernsehproduktionen wie „Tatort” und „Großstadtrevier” die Actionsequenzen drehte. Mit seiner 1992 gegründeten Action Concept Film- und Stuntproduktion GmbH liefert er vor allem Actionserien und –filme für RTL. Seit 2003 erhielten Johas Produktionen den „World Stunt Award” für die besten Actionszenen in nicht-amerikanischen Filmen. Seit 5. März 2009 zeigt RTL sechs neue Folgen von „Alarm für Cobra 11″. Im Sommer startet die neue Actionserie „Lasko – Die Faust Gottes” mit Mathis Landwehr und Burkhard Driest.

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3 Kommentare
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  1. Hallo Zusammen
    Wir hätten einen Ford Escort abzugeben — Interesse ?

    er ist 15 Jahre alt, blau 5-türig mit 105 PS, fahrtüchtig uund wird heute abgemeldet.
    das Fahrzeug steht in Hagen (58099) Garenfeld

    wäre schön wenn er noch mal ins Fernsehen kommt,bevor er “leider ” verschrottet werden muss…

    Tel: 02304-63277

    MfG
    Silke Poschmann

  2. Hallo, Herr Joha, Ihr seid Spitze.
    Ich hätte eine Idee, für einen Stunt. Wilde Verfolgung auf der Bahn, zwei Wagen werden verfolgt, dann Crash auf Crash, der letzte Wagen, ein Kleintransporter, wird durch einen Hänger, Aufleger oder eine Absperrung hoch geschossen und landet auf einer Brücke. Was normalerweise nicht möglich ist, aber der Wagen fährt dann seelenruhig einfach weiter und verlässt den Unfallort, zwar mit sichtbarem Schaden, aber er ist weg. Es würde mich freuen, wenn ich von Ihnen eine Antwort bekäme, den ich bin leider nur noch Rollifahrer und Frührentner.
    gez. Rommel Hans Günter

  3. Sehr gerter Herr Joha bin großer Fan von Arlam für Cobra11habe bis heute noch nie eine Folge davon verpasst ich schaue immer auf rtl auf rtlcreme und auf rtl nitro ich bin auch ein großer Fan von Herrn Ergofsn Atalay ich habe eine frage könnte ich bitte ein Autogramm von ihnen bekommen

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